HRV Analyse in der Praxis: Learnings aus dem 2. Quartal – Hitze, High-Tech & Herzensfragen in der HRV Sprechstunde HRV Analyse in der Praxis: Learnings aus dem 2. Quartal – Hitze, High-Tech & Herzensfragen in der HRV Sprechstunde
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HRV Analyse in der Praxis: Learnings aus dem 2. Quartal – Hitze, High-Tech & Herzensfragen in der HRV Sprechstunde

Ein virtueller Raum, begeisterte HRV- ExpertInnen und jede Menge faszinierender
Datensätze unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Alfred Lohninger: Auch im zweiten
Quartal haben wieder drei hochkarätige HRV Jour Fixes stattgefunden. Trotz sommerlicher
Hitze rauchten die Köpfe – denn die mitgebrachten Praxisfälle in der HRV Sprechstunde boten tiefe Einblicke in die faszinierenden Nuancen des autonomen Nervensystems (ANS).

Neben medizinischen Tiefenbohrungen boten die Termine diesmal auch viel Platz für ganz
praktische Fragen zum Handling und zur erfolgreichen Positionierung am Markt. Hier sind
die wichtigsten Highlights, Learnings und Praxistipps aus unseren jüngsten Runden vor der
Sommerpause:

Ein Thema in der HRV Sprechstunde im zweiten Quartal waren die Unterschiede zwischen den Altersgruppen – sowohl physiologisch als auch messtechnisch.

  • Herausforderungen bei den Älteren: Hier haben wir darüber informiert, dass es häufiger zu Fehlmessungen kommen kann, was intensivere Filterungen in der Software nötig machen kann. Trockene Haut im Alter beeinträchtigt die Leitfähigkeit, wodurch die R-Zacken im EKG oft nicht gut erfasst werden und Artefakte entstehen. Ein guter Praxistipp ist hier die zusätzliche Befeuchtung der Haut oder der Elektroden. Dies gilt sowohl für EKG- als auch Brustgurtmessungen.
  • Herausforderungen bei den Jüngeren: Bei Kindern ist zum einen die Streuung der HRV-Daten noch größer als bei Erwachsenen, zum anderen stellt die Akzeptanz, Brustgurt oder EKG über Stunden zu tragen im jüngeren Alter eine Hürde dar. Ab dem Teenageralter klappt das Tragen meist problemlos.
  • Die Belohnung – Wunderschöne Schlafarchitektur: Wenn eine Messung bei jüngeren Menschen gelingt, zeigt sich oft ein strahlend schönes Lebensfeuer! Eine makellose Schlafarchitektur, also die klar ersichtliche Abfolge einzelner Schlafphasen, eine grandiose respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) und eine physiologisch schnelle Atemfrequenz von durchaus 17 oder 18 Atemzügen pro Minute – im Schlaf schneller kann als im ruhigen Wachzustand am Tag.

Ein zentrales Thema beim Erfahrungsaustausch war die korrekte Durchführung der Messung
mit dem HRV-Rekorder. Wichtig für eine lückenlose Interpretation ist die präzise Verknüpfung
der Messdaten mit dem Aktivitätsprotokoll. Nur wenn der Klient seine Tätigkeiten (Schlaf,
Sport, Essen, Arbeit) genau dokumentiert, lässt sich das Lebensfeuer im Detail
entschlüsseln.

Spannend war in diesem Kontext die Frage: Kann man eigentlich auch ohne jegliches
Vorabwissen über eine Person eine fundierte Empfehlung abgeben?
 Die klare Antwort
lautet: Ja! Allein durch die Verteilung der Frequenzbereiche (HF, LF, VLF) im Zusammenspiel
mit dem Aktivitätsprotokoll lässt sich die Regulationsfähigkeit des autonomen
Nervensystems präzise ablesen, selbst wenn man die Lebensgeschichte des Klienten vorher
nicht kennt. Die HRV lügt nicht.

Ein Fall sorgte für besonders intensives Aufsehen: Eine gemessene Person zeigte eine
extrem starke RSA und eine außergewöhnlich hohe Herzratenvariabilität bei gleichzeitig
stolzen 73.000 Herzschlägen in 24 Stunden. Im System fiel jedoch ein seltsames Phänomen
auf: eine scheinbare „Doppel-RSA“.

Beim genauen Kontrollieren von Tachogramm und Scatterplot war alles vollkommen in
Ordnung. Des Rätsels Lösung ist ein rein mathematisches Phänomen: Bei einer extrem
ausgeprägten RSA und der Überlagerung verschiedener biologischer Rhythmen kommt es
bei der Berechnung zu diesem optischen Phänomen im Diagramm – ein Zeichen für ein
hochentwickeltes, hochflexibles Nervensystem und kein Grund zur Sorge!

Vorsicht bei VLF in der Nacht: In diesem Kontext sahen wir auch sehr starke VLF-Werte
(Very Low Frequency). Wenn diese massiv in der Nacht auftreten, ist Vorsicht bei einer
daraus abgeleiteten psychoemotionalen Belastung geboten. Oft stecken schlichtweg
Thermoregulation (gerade im Sommer!) oder hormonelle Prozesse dahinter.

Ein weiteres großes Thema war der Zustand nach Long Covid und die Frage: Sieht man
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) in der HRV?

Ja, das Erschöpfungsbild brennt sich regelrecht in das Lebensfeuer ein. Oft zeigt sich eine
drastische HRV-Reduktion selbst bei moderater Hausarbeit – ein klares Zeichen für das
Phänomen der Post-Exertional Malaise (PEM). Zudem beobachten wir häufig eine autonome
Dysregulation, sprich einen überschießenden Anstieg der Herzrate beim Aufstehen,
wahrscheinlich ein Kompensationsmechanismus bei orthostatischer Dysregulation.

  • Der Therapieansatz: Neben diagnostisch/therapeutischen Ansätzen wie der Eigenblutwaschanlage (Apherese) rückt die Mikrobiom-Dysbalance nach Long Covid immer weiter in den Fokus. Das Credo lautet hier: Dem Körper auf biochemischer Ebene das geben, was er braucht, um überhaupt wieder arbeiten zu können (z.B. durch gezielten Mikrobiom-Aufbau und Mikronährstoffe).
  • Polyvagale Unterstützung: In der Begleitung hat sich die gezielte Sympathikusaktivierung bewährt. Wenn der „hintere Vagus“ (dorsaler Vagus) im Freeze-Zustand blockiert, hilft die Tiger Therapy. Durch ultrakurze, hochintensive körperliche Reize wird dem System signalisiert: „Die Gefahr ist vorbei, du darfst den Totstellreflex verlassen.“

Wie bringt man die HRV-Analyse unter die Leute? Viele KollegInnen nutzen das Tool bereits
erfolgreich im B2B-Bereich. Ein perfekter Hebel für das Marketing und die Kundenakquise
sind Seminare, Firmenprojekte (betriebliche Gesundheitsförderung) oder
Kooperationen als Businesscoach.

In Verkaufsgesprächen taucht dabei immer öfter die Frage auf: „Warum brauche ich eine
professionelle HRV-Messung, ich habe doch eine Smartwatch oder einen Oura-Ring?“ Hier
liegt das unschlagbare Argument in der Messqualität: Während Consumer-Wearables die
HRV meist nur punktuell, optisch (PPG) und vorwiegend im Schlaf messen, liefert der
medizinische HRV-Rekorder ein hochpräzises, kontinuierliches Langzeit-EKG über 24
Stunden. Nur so werden die echten Dynamiken des Alltags, die exakte Schlafarchitektur und
respiratorische Phänomene (wie die oben beschriebene RSA) überhaupt erst sichtbar und
therapeutisch nutzbar.

Mit diesen spannenden Erkenntnissen verabschieden wir uns nun in die verdiente
Sommerpause. Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen für den großartigen Austausch,
die spannenden Fälle und die produktiven Diskussionen in den ersten beiden Quartalen.

Wir tanken nun selbst ordentlich Vagus-Energie und freuen uns schon sehr auf den
nächsten HRV Jour Fixe im Herbst! Genießt den Sommer, bleibt reguliert und bis bald!


Fazit: Der Austausch zeigt, wie lebendig und komplex die HRV-Arbeit im Alltag ist. Wir freuen uns schon auf den nächsten Jour Fixe! Immer um 19 Uhr am letzten Donnerstag um Monat! Den Zoom-Link für die kostenlose Teilnahme bekommt ihr über office@autonomhealth.com.


HRV-Analyse & Portrait Dr. Alfred Lohinger: © Autonom Health Gesundheitsbildungs GmbH

Grafische Gestaltung: Erstellt mit Unterstützung von KI (Gemini/Google)

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