Zeitumstellung & Chronobiologie

Am letzten Sonntag im Oktober endet die Sommerzeit und die Uhren werden wieder auf Winterzeit umgestellt. Mit der Zeitumstellung herrscht dann wieder die sogenannte Normalzeit oder mitteleuropäische Zeit (MEZ). Doch welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf den Körper?

Der circadiane Rhythmus

„Vieles im Leben muss durch persönliches Eingreifen und Wirken aktiv gestaltet werden. Manches läuft aber auch ohne das eigene Zutun ab. Dies geschieht immer in ähnlichen Abständen, also rhythmisch. Diese Rhythmen existieren sowohl im Menschen selbst als auch in seiner Umwelt.

 

Der wohl augenscheinlichste äußere Rhythmus ist der Tag-Nacht-Rhythmus. Innerhalb von 24 Stunden erlebt der Mensch einen in sich abgeschlossenen Zyklus von Leistung und Erholung. Dies ist der sogenannte „circadiane“ Rhythmus („ungefähr ein Tag“). Er hilft vor allem, sich auf täglich wiederkehrende Phänomene einzustellen. Externe Reize, die als Zeitgeber dienen, sind u. a. das Licht, die Umgebungstemperatur oder soziale Reize (Aschoff et al., 1988; Baehr et al., 2000). Daneben existieren noch viel kürzere Frequenzen (z. B. Atmung, Herzschlag), aber auch deutlich längere Perioden (etwa der Jahresrhythmus auf Basis der Jahreszeiten).

 

Die Chronobiologie (griech. chronos = die Zeit) ist die Wissenschaft, die sich mit biologischen Rhythmen und Prozessen beschäftigt. Man spricht hier von zwei Uhren, die den Tagesablauf bestimmen: die äußere Uhr, die uns unsanft mit schrillem Klingeln in der Früh aus dem Schlaf reißt, und die innere Uhr, die sagt, wie lange wir wirklich schlafen wollen.“

(Auszug aus Herzratenvariabilität: Das HRV-Praxis Lehrbuch, Lohninger, 2017)

Die innere Uhr

Der Körper des Menschen hat seine eigene biologische Uhr. Diese innere Uhr, die auch noch funktioniert, wenn alle Umwelteinflüsse ausgeschaltet werden, bestimmt die tagesrhythmischen Schwankungen der Kreislauf-, Organ- und Stoffwechselfunktionen. Häufig ist die periodische Dauer länger als 24 Stunden.

Übrigens: Untersuchungen haben ergeben, dass jeder Vierte lieber länger schlummern würde als bis sechs oder sieben Uhr wenn üblicher Weise der Wecker schrillt! Denn heutzutage schlafen Menschen durchschnittlich nur noch etwas mehr als sieben Stunden pro Tag. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es noch rund neun Stunden!

Der Wechsel von Tag und Nacht – also Licht und Dunkelheit – gibt letztlich den Rhythmus unseres Lebens vor. Höhere Lebewesen folgen den periodischen Schwankungen der Umwelt (Tag und Nacht – Mondphasen – Jahreszeiten etc.) nicht nur passiv, sie haben auch im Lauf der Evolution so genannte endogene Rhythmen entwickelt, die von unserer inneren Uhr geregelt werden. Ihr verdanken wir auch die präzise Steuerung unseres Schlaf-Wach-Verhaltens.

Biologische Grundlagen

Wie in der Grafik ersichtlich, ist die interne Körperuhr bei Säugetieren im Zwischenhirn lokalisiert und besteht aus einem winzigen Zellhaufen, dem so genannten suprachiasmatischen Nucleus, kurz SCN. Seine Nervenzellen geben rhythmisch Signale an andere Gehirnregionen. Diese reagieren auf die Impulse und schicken ihrerseits Nervenreize oder Hormone durch den Körper. Auf diese Weise werden die Zeiten der Ruhe und Aktivität unserer Organe gesteuert.
Über unsere Augen wird das von außen einfallende Licht aufgenommen und an unsere innere Uhr weitergeleitet, auf diese Weise kann sich der SCN immer wieder neu an die aktuelle Umwelt anpassen. Aber auch ohne äußeren Zeitgeber schwingt der SCN ungefähr im

24-Stunden-Takt weiter und gibt uns vor, wann wir abends müde und morgens wieder munter werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei der körpereigene Botenstoff Melatonin.
Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse, einer kleinen Drüse im Gehirn, gebildet wird. Melatonin hat eine schlafanstoßende Wirkung und sorgt dafür, dass wir nachts einschlummern. Die Produktion ist allerdings nicht nur von der Tageszeit abhängig. Untersuchungen zeigen, dass auch bei Lichtmangel im Herbst und Winter mehr Melatonin in unserem Blut zirkuliert.

 

Gesundheitliche Auswirkungen der Zeitumstellung

Für viele Menschen kann die Zeitumstellung chronischen Schlafentzug bedeuten. Trotzdem ist das Zurückstellen der Uhren auf Winterzeit für die meisten Menschen deutlich angenehmer als das Vorstellen auf die Sommerzeit. Bei der Umstellung auf die Winterzeit  gewinnt der erste Tag eine Stunde dazu und dauert nun 25 Stunden. Das entspricht im Grunde der natürlichen inneren Uhr des Menschen.

Studien zeigen, dass Menschen, die isoliert und ohne natürliches Licht leben, nach kurzer Zeit einen 25-Stunden-Rhythmus entwickeln. Die Zeitumstellung auf die Winterzeit ist deshalb in der Regel weniger unangenehm für den Biorhythmus, obwohl dieser sich auch hier erst wieder neu einstellen muss.

Am ersten Tag der Winterzeit wachen viele Menschen morgens früher auf uns werden abends früher müde. Der Rhythmus gerät also auch hier durcheinander. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Aber kaum jemand bleibt völlig unbeeinflusst. Häufig stärker betroffen sind ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, deren Organismus sich mit der Anpassung an Zeitumstellungen schwerer tut.

Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen ähneln einem Mini-Jetlag. Bis sich die innere Uhr und der Tagesablauf wieder aufeinander eingestellt haben, können folgende Symptome auftreten: Schlafstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Schwankungen der Herzfrequenz, Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme. 

Die häufigsten Nebenwirkungen der Zeitumstellung sind aber Schlafstörungen. Eine zu kurze Schlafdauer oder ein unergiebiger Schlaf führen auf Dauer zu einer höheren Infektanfälligkeit oder gestörten Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen sind mit Schlafstörungen eng verbunden.

Die große Mehrheit der Menschen würde sogar von einer Abschaffung der Sommerzeit profitieren. 65% der Bevölkerung entsprechen dem normalen Chronotyp, 20% sind Nacheulen und nur 15% echte Lerchen. Im aktuellen Newsletter gibt es weitere Informationen zu „Abend-“ und „Morgenmensch“.

 

Und übrigens…

Erst Anfang Oktober ging der Medizinnobelpreis 2017 an die drei US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für die Erforschung der biologischen Uhr – Chronobiologie.  Sie haben sich der Erforschung der circadianen Rhythmik verschrieben und konnten die Mechanismen zum Tag-Nacht-Rhythmus entschlüsseln, fanden sozusagen heraus, wie unsere innere Uhr zu lesen ist. Diese Erkenntnis erklärt , wie nicht nur wir Menschen, sondern auch Tieren und Pflanzen ihr Leben auf der Erde steuern und ihren biologischen Rhythmus anpassen.

Mehr unter http://derstandard.at/2000065121150/Medizinnobelpreis-2017-fuer-Erforschung-der-biologischen-Uhr?ref=article oder auf unserer Facebookseite.

 

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