Wie lange sollte eine HRV-Messung dauern?

Kurz- oder Langzeitmessung? Das ist abhängig vom jeweiligen Zweck bzw. Intention!

Es ist seit langer Zeit bekannt, dass die Herzratenvariabilität (HRV) eine äußerst einfache und zuverlässige Methode ist, um den Zustand des autonomen Nervensystems (ANS) und unter anderem auch der kardialen Rhythmik zu ermitteln. Die HRV kann die Anpassungsfähigkeit des ANS sehr effizient erfassen. Dies macht sie zu einer sehr praktischen Methode zur Risikostratifizierung und Charakterisierung der autonomen Dysfunktionen.

Doch wie lange sollte eine HRV-Messung dauern? 

Forscher der „e-Health Digital Rhythm Study Group“ der Europäischen Herzrhythmusassoziation erklären in ihrem Leserbrief an das Clinical Autonomic Research Journal, wie lang eine HRV Messung je nach Fragestellung dauern sollte.

Während man bei der Entdeckung der primären autonomen Abnormalitäten bei verschiedenen Provokationstests (steht in der Medizin für ein Untersuchungsverfahren, wenn durch andere Methoden keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann) eher kürzere HRV-Messungen verwenden kann, sollte man bei einer Risikostratifizerung (Abschätzen des Risikos, mit dem eine Erkrankung fortschreitet) eine längere HRV-Messung durchführen.

Kurzzeitmessungen können zur Differentialdiagnose um Messmethoden wie Plethysmographie, Endtidale CO2 Messung und Hautwiderstands-Messungen ergänzt werden. Diese eignen sich gut für eine stationäre Messung im klinischen Setting. Der Nachteil einer kurzen Messdauer liegt darin, dass Regulationsmechanismen mit längeren Zyklen nicht erfasst werden. Zudem spiegelt das klinische Setting nicht immer die alltäglichen Bedingungen, die die Hauptreize für unseres autonome Nervensystem darstellen.

Die Tatsache, dass das ANS die Homöostase des ganzen Körpers repräsentiert, macht eine kürzere Messung problematischer- Änderungen mit längeren Perioden,wie z.B. die respiratorische Sinusarrhythmie, werden nicht immer erfasst. Eine aussagekräftigere Risikoevaluierung kann nur mit längeren HRV-Messungen erfolgen. Dabei fließen die Alltagssituationen, sowie der Schlaf-Wach-Rhythmus und körperliche Aktivitäten mit ein. Sie machen den Großteil der HRV aus und sind für eine langfristige Risikoevaluierung wichtig. Globalen Parameter der langfristigen HRV, wie die 24-Stunden-SDNN, können bei kürzeren Messungen nicht zuverlässig erfasst werden, da die Umweltreize bei solchen Messungen nicht vorhanden sind .

Auszug aus A. Lohninger, 2017, „Herzratenvariabilität – das HRV-Praxis Lehrbuch“

Kurz- bzw. Langzeitmessungen der HRV sind unterschiedliche Konzepte. Kurzzeitmessungen ermöglichen einfache Screenings des Gesundheitszustands. Eine grobe Einordnung in „gesund“ bzw. „nicht (mehr) gesund“ ist bei exakter Durchführung möglich. […]

 

HRV Messungen über 24 Stunden erfassen auch die „Laborsituation“ Schlaf, bei der stabile Umgebungsbedingungen über mehrere Stunden herrschen.

Die European Task Force (1996), postuliert eine Mindestlänge von 5 Minuten. In dieser Zeit können HF, LF und VLF abgebildet werden. Je kürzer jedoch die Messung, desto schwieriger die Nachvollziehbarkeit von VLF, da sich diese aus länger dauernden Rhythmen im Körper zusammensetzt. Die Länge von Langzeitmessungen richtig sich nach Intention und Zweck.

 

Lohninger, A. (2017). Herzratenvariabilität – Das HRV-Praxislehrbuch. Wien: Facultas.

Malik, M., Huikuri, H., Lombardi, F., Schmidt, G. & E-Health /Digital rhythm study group of the european heart rhythm. The purpose ot heart rate variability measurements. Clin. Auton. Res. 2017; 27(3): 139-140.

Task Force of the European Society of Cardiology and the North American Society of Pacing and Electrophysiology. Heart rate variability: standards of measurements, physiological interpretation, and clinical use. Circulation 1996; 93: 1043-1056.

 


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